Digitale Bildung im Forum Katholischer Erwachsenenbildung

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Im Oktober 2021 hat der Vorstand des Forums Katholischer Erwachsenenbildung das Positionspapier „Digitale Bildung“ verabschiedet, das im Folgenden im Originalwortlaut wiedergegeben wird. Es bildet die Basis für die weitere Arbeit in diesem „relativ jungen“ Bereich der Katholischen Erwachsenenbildung.

Positionspapier Digitale Bildung

Ausgangslage
Die Digitalisierung durchdringt zunehmend unseren Alltag. Digitale Medien gehören zu unserem Leben. In allen Lebensbereichen sind wir mit den Möglichkeiten der Digitalisierung – aber auch mit den Herausforderungen – konfrontiert. Im Mittelpunkt der Bildungsangebote in den Mitgliedseinrichtungen des Forums steht der Mensch – „Wir optimieren nicht Gewinn, sondern erweitern soziale und menschliche Kompetenz“ (Missionstatement des Forums).
Der Mensch ist gefordert, sich in der digitalen Welt zurecht zu finden, diese zu verstehen, zu nutzen und gestalten aber auch kritisch zu reflektieren. Die digitale Welt wandelt sich immer schneller und durch die Virtualität erweitert sich der menschliche Möglichkeitsraum grundlegend. Das stellt auch die Erwachsenenbildung immer wieder vor neue Aufgaben.

Grundlagen
Digitale Medien werden auf der einen Seite als Chance gesehen, Bildung möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen und sind damit ein wesentlicher Beitrag zum lebensbegleitenden Lernen. Auf der anderen Seite stehen Befürchtungen, dass digitale Medien die Kluft zwischen Wissen und Unwissen, Jung und Alt oder bildungsnah und bildungsfern noch verbreitern können.
Das Web 4.0 ist eine Realität, durch die das Lernen und die Kommunikation ortsunabhängig möglich geworden sind und es besteht die Möglichkeit Lehr-/Lernmaterialien für Menschen jederzeit verfügbar zu machen. Der Mensch wird vom Nutzer zum Gestalter dieses Mediums. Um diese Realität im Leben nutzbar zu machen, brauchen Menschen Unterstützung bei der Befähigung zur partizipativen Teilhabe an einer durch (digitale) Medien geprägten Gesellschaft. Diese Welt birgt gleichzeitig vielfältige, neue Herausforderungen im gesellschaftlichen Miteinander.
Auch in der Erwachsenenbildung manifestiert sich der verstärkte Einsatz digitaler Medien. Die Europäische Kommission* beschreibt in einem Arbeitspapier, dass Grundkompetenzen im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien Erwachsener ihre formalen und non-formalen Bildungsmöglichkeiten wesentlich erweitern und damit zu persönlicher Entfaltung, Inklusion und Arbeitsmarktfähigkeit beitragen.
Digitalisierung spielt im Kontext der Erwachsenenbildung als technisches Werkzeug, didaktisches Mittel und besonders als Thema zur kritischen Auseinandersetzung mit Medien und ihrer gesellschaftlichen Bedeutung eine Rolle.

Perspektiven und Herausforderungen
Damit sich Bildungsungleichheit hinsichtlich digitaler Medien nicht weiter verstärkt, ist der Umgang mit diesen Medien in der heutigen Zeit ein integraler Bestandteil von Bildung. Digitale Entwicklungen bringen auch Veränderungen im Lernen Erwachsener mit sich. Informationen sind immer und überall und immer schneller verfügbar. Zum einen wird dadurch ein informelles, zielgerichtetes, zeit- und ortsunabhängiges, individuelles, selbstorganisiertes und vernetztes Lernen ermöglicht. Zum anderen
wird es schwieriger, relevante und sichere Informationen herauszufiltern. Die Herausforderung für die Erwachsenenbildung besteht darin, das Suchen der Erwachsenen nach Austausch, Zusammenarbeit und Gemeinschaft in analogen und digitalen Lernprozessen zu fördern.
Diese Entwicklungen machen unsere Zielgruppen heterogener in Bezug auf ihr Vorwissen und die Vielfalt der Lernangebote steigt. Das ist bei der Wahl und Planung der Inhalte zu berücksichtigen.
Gleichzeitig bringen sie auch eine Chance für bisher unerreichte Zielgruppen. Unsere Angebote reagieren auf diese sich ändernden Bedingungen, um die Vorteile, die sowohl Online- als auchPräsenzlehren und -lernen bieten, bestmöglich zu vereinen und zu nutzen.

Ziele und Aufgaben digitaler Erwachsenenbildung
• digitale Kompetenzen (technische Fertigkeiten und Medienkompetenz) der Zielgruppe
“Erwachsene” fördern und ausbauen und damit einen Beitrag zur gesellschaftlichen
Partizipation und zur Verringerung der digitalen Kluft leisten
• Schaffung von qualitativ hochwertigen digitalen Bildungsangeboten und entsprechenden
Lehr-/Lernressourcen, um damit auf die individuellen Lernbedürfnisse bestmöglich eingehen zu können
• Förderung der Zusammenarbeit der Mitgliedseinrichtungen des Forums Katholischer
Erwachsenenbildung in Österreich im Bereich digitaler Bildungsmöglichkeiten
• Schaffung eines orts- und zeitunabhängigen Lernangebots in allen Bildungsbereichen, um
damit den Zugang zu Bildungsangeboten zu erleichtern und die Erreichbarkeit der
Zielgruppen ausbauen
• Unterstützung der Lehrenden, die ihre Lehre zeitgemäß mit (digitalen) Medien gestalten
• Unterstützung und Weiterbildung der Organisator*innen und Lehrenden bei der Entwicklung einer reflektierten, positiven medienpädagogischen Haltung und beim Ausbau ihrer eigenen digitalen Kompetenzen
• Anregungen zur zeitgemäßen Optimierung der digitalen Infrastruktur in den
Bildungseinrichtungen
• kritische Auseinandersetzung mit dem Thema digitaler Wandel und den daraus
resultierenden Vor- und Nachteilen im gesamtgesellschaftlichen Bereich und in den
Bildungsangeboten des Forums.

* vgl. European Commission (2015). Education and Training 2020. Improving Policy and Provision for
Adult Learning in Europe. European Commission.
https://ec.europa.eu/assets/eac/education/library/reports/policy- provision-adult-learning_en.pdf

Vom Vorstand des Forums KEB am 6.10.2021 beschlossen.


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