Clubhouse – nur ein Hype oder vielleicht eine Möglichkeit für die Erwachsenenbildung?

Lackner

Was ist das überhaupt?

Clubhouse ist eine Audio-only-App, bei der du Gesprächen wie bei einem Live-Podcast lauschen oder dich aktiv an Diskussionen beteiligen kannst. Es gibt Moderator*innen, die Gesprächsräume zu unterschiedlichen Themen öffnen und du kannst frei wählen, wo du eintrittst. Es gibt keine schriftlichen Kommentare, keine Likes oder Daumenhoch und keine eingeschaltete Kamera. Manchmal wird Clubhouse auch als „das Instagram für die Stimme“ bezeichnet. Klingt einfach – ist es aber nicht so ganz, denn es gibt zwei wichtige Voraussetzungen um mitmachen zu können.

Du brauchst ein iOS Gerät, denn nur diese unterstützen die App UND du brauchst eine Einladung (invite) von jemanden, der diese App schon nützt. Beide Umstände sind der Tatsache geschuldet, dass sich die App noch in einer Testversion befindet und erst nach und nach auch für Android und damit auch für die breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll.

Und hier liegen auch schon die wichtigsten Kritikpunkte: nutzbar nur für eine „elitäre“ Gruppe, damit verbunden zu wenig Übersicht über die dort verbreiteten Inhalte und noch viele Fragezeichen bezüglich Sicherheit.

Wie funktioniert’s?

Nach der Anmeldung über das Iphone heißt es erstmal warten. Warten, bis jemand bemerkt, dass du gerne zu Clubhouse eingeladen werden würdest und das dann auch mit ein paar Klicks tut (bei mir betrug die Wartezeit ca. 3 Tage). Meistens sind das Personen, die die App nutzen und bei denen du in den Kontakten aufscheinst. Einmal drin geht alles wirklich sehr einfach. Schnell ist dein Profil angelegt (das ist alles, was die anderen Nutzer*innen von dir sehen). Darin kannst du auch deine Interessen definieren. Diese bestimmen dann, welche Räume dir vorgeschlagen werden. Hier ein kleiner Einblick der Räume, die gerade jetzt, während ich an diesem Beitrag schreibe vom Algorithmus für mich ausgesucht wurden:

  • 3 Generationen Talk: Was versteht ihr unter Höflichkeit?
  • Let´s talk about books – Der Alchimist von Paulo Coelho
  • Personal Branding auf LinkedIn
  • Fashion im Lockdown – Mehr als die Jogginghose?
  • Infrastrukturen: Digital planen, beteiligen und genehmigen
  • Erziehung neu gedacht!
  • Moderation bei Clubhouse – Hacks für erfolgreiche Räume,…

Und dann kann es schon losgehen! Mit einem „Klick“ betritt man den Raum in der so genannten „audiance“ – dem Publikum und kann nur sichtbar durch das eigene Profilbild den Gesprächen lauschen, die die Moderator*innen mit unterschiedlichen Personen führen. Wenn man sich auf der sogenannten „stage“ aktiv am Gespräch beteiligen möchte, hebt man per „Klick“ die Hand und wird dann von den Moderator*innen dazu freigeschalten. Wenn der Raum, das Thema oder die Leute in einem Raum nicht interessant oder ansprechend sind, kann man durch einen „Klick“ (leave quietly) sich still und heimlich auch wieder verabschieden.

Was ich beachtenswert finde…

Spannend finde ich, dass bis jetzt ein spürbar wertschätzender Umgang in den Gesprächsräumen herrscht. Es wird von den (guten) Moderator*innen viel Wert auf eine gute Gesprächskultur gelegt und dies auch immer wieder verbalisiert. In den Räumen, in denen ich unterwegs war, gab es so gut wie nie „Störer“ (sogenannte Trolle). Interessant ist für mich auch, dass in den Räumen ein gegenseitiges „Geben und Nehmen“ herrscht. Großzügig wird Know How in den unterschiedlichsten Bereichen geteilt. Sicher gibt es auch viele, die sich oder ihre Angebote über dieses Medium „verkaufen“ wollen, dann war das für mich aber auch immer durch den Titel oder die Einleitung klar ersichtlich. In vielen Räumen, ist genau das (wird hier „pitchen“ genannt) überhaupt nicht erwünscht.

… und wo für mich ein Mehrwert für die Erwachsenenbildung liegen könnte?

  • es gibt einfache und unkomplizierte Einblicke in Bereiche wie Marketing, Werbung, Social Media,… durch Expert*innen aus diesen Bereichen, die Räume zu ihren Themen anbieten und ihr Wissen teilen
  • es gibt die Möglichkeit sich mit Menschen aus dem deutschsprachigen Raum (wenn man zu unserer Tageszeit unterwegs ist – nachts ist es eher der amerikanische Raum) zu unterschiedlichsten Themen auf einfache Art und Weise zu vernetzen
  • es gibt die Möglichkeit die eigene Expertise einzubringen, wenn man selbst Räume eröffnet (am besten tut man das in einer Kooperation mit anderen)
  • es ist vielleicht eine Chance ziemlich von Anfang an bei einem neuen Social Media Format dabei zu sein und dessen Entwicklung aktiv mitzuverfolgen

Wie gesagt, all das könnte diese App sein – und all das gilt es in den nächsten Monaten zu beobachten.

Ich bleibe gemeinsam mit meiner Kollegin Katja Ratheiser ein gelegentlicher, beobachtender Gast und wir werden demnächst auch einen Versuch mit einem eigenen Raum starten. Mal sehen, vielleicht treffen wir uns ja? Auf jeden Fall berichten wir wir hier.

Brigitte Lackner

Hast du schon Erfahungen mit Clubhouse gemacht?

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