Hybrid oder nicht …

Gastbeitrag von Dr.in Gaby Filzmoser – Geschäftsführerin der ARGE Bildungshäuser

Filzmoser

… das ist jetzt die Frage – mit der sich viele Bildungsmanager*nnen derzeit beschäftigen. Zumindest nehme ich das aus meiner Perspektive als Geschäftsführerin der ARGE Bildungshäuser Österreich aktuell so wahr.

In den vergangenen Monaten wurden einige Präsenzveranstaltungen auf Online umgestellt. Die Erkenntnisse waren zum Teil wie erwartet, aber auch überraschend. Überraschend, weil bei manchen Onlineseminaren Personen erreicht wurden, die nie zu der Präsenzveranstaltung gekommen wären, weil sie örtlich zu weit weg sind, wenig mobil sind oder weil Betreuungspflichten es nicht erlaubt hätten. Dadurch sind die Teilnahmezahlen oft höher ausgefallen, als es bei einem Präsenzseminar möglich gewesen wäre. Wie erwartet, waren die Rückmeldungen dahingehend, dass eine Onlineveranstaltung in vielen Fällen den persönlichen Kontakt nicht ersetzen kann. Was wir auch nicht wollen.

Die Lösung dieses Dilemmas kann in Hybridveranstaltung als Format liegen. Darunter verstehe ich eine Präsenzveranstaltung zu der parallel ein vollwertiges Onlineseminar abgehalten wird. Dabei geht es nicht nur darum, den Präsenzraum online zu übertragen, sondern die Onlineteilnehmenden gleichermaßen in das Seminar einzubinden. Das stellt uns jedoch vor ein paar Herausforderungen:

  • Die notwendige Ausstattung der Technik wird mehr und die Handhabung will gelernt sein.
  • Der personelle Zusatzaufwand wächst, weil die Durchführung für eine Person nicht handlebar ist.
  • Die gleichwertige Einbindung der Teilnehmenden erfordert zwei didaktische Konzepte.
  • Die Kommunikation zw. den Online- und Präsenzteilnehmenden und untereinander muss moderiert werden.
  • Kollaborative Visualisierung ist für beide Zielgruppen zur Verfügung zu stellen.
  • Die Pausengestaltung braucht andere Formen.

Demgegenüber stehen jedoch einige Vorteile die Hybridveranstaltungen mit sich bringen wodurch sie als zukunftsfähiges Format nicht mehr weg zu denken sein werden.

  • Hybridveranstaltungen kommen den individuellen Anforderungen der Lernenden entgegen (Lernbedürfnisse, Regionalität, Mobilität, Kosten).
  • Die Teilnahmezahlen können erhöht werden.
  • Dadurch wird der Austausch, die Kommunikation und auch die Netzwerkbildung erweitert.
  • Die Dynamik eines Präsenzseminars bleibt erhalten und bezieht zusätzlich die Vorteile von Onlineveranstaltungen mit ein.
  • Es kann ein zukunftssicherndes Format für Bildungseinrichtungen sein, für die der persönlicher Austausch Teil des didaktischen Programms sind.

Aus meiner Sicht überwiegen die Vorteile und die Nachteile sind in den Griff zu bekommen. Die tatsächliche Umsetzung wird nicht von heute auf morgen gehen, sondern einem Experimentierungprozess gleichen.

Dr.in Gaby Filzmoser,
Geschäftsführerin der ARGE Bildungshäuser Österreich

Hier gibt es einige Hardwareempfehlungen für die Ausstattung hybrider Veranstaltungen.

Hier gibt es einen ausfühlichen Beitrag zu diesem Thema auf www.erwachsenenbildung.at.

Habt ihr Erfahrungen mit Hybridveranstaltungen? Wir freuen uns wenn ihr darüber in den Kommentaren berichtet!

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