
Der neue (erweiterte) Qualitätsleitfaden für Bildungsangebote im Bereich grundlegender digitaler Kompetenzen liefert eine strukturierte Orientierung dafür, wie digitale Bildungsangebote tatsächlich wirksam werden können – besonders für Menschen mit geringen digitalen Kompetenzen. Der Qualitätsleitfaden wurde von der OeAD-Geschäftsstelle Digitale Kompetenzen herausgegeben und von Birgit Aschemann (Institut CONEDU) erarbeitet. 39 Qualitätskriterien aus 7 Qualitätsdomänen decken alle Planungsbereiche von der Konzeption über Rahmenbedingungen und Didaktik bis zur Qualitätssicherung ab. Auf über 100 Seiten gibt es zu jedem Kriterium eine ausführliche Erläuterung und Good Practice Beispiele.
Qualität heißt: Wirkung ermöglichen
Was den Leitfaden besonders macht, ist sein Perspektivwechsel. Qualität wird weniger über formale Kriterien oder technische Ausstattung definiert, als vielmehr über die Frage nach Wirkung: Erreichen wir die Menschen, die wir erreichen wollen? Können sie das Gelernte im Alltag anwenden? Fühlen sie sich gestärkt statt überfordert?
Damit rückt der Leitfaden zentrale Prinzipien der Erwachsenenbildung konsequent ins Zentrum: Lebensweltbezug, Niederschwelligkeit, Kompetenzorientierung und eine wertschätzende Haltung gegenüber Lernenden.
Für EB-Anbieter*innen liegt ein besonderer Mehrwert darin, dass sich der Leitfaden nicht nur für die Planung einzelner Kurse eignet. Er kann auch als interner Referenzrahmen genutzt werden. Etwa für Programmplanung, Qualitätsgespräche, die Zusammenarbeit mit Referent*innen oder die Einschulung neuer Mitarbeiter*innen. So entsteht eine gemeinsame Sprache für Qualität.
Ein zentrales Element des Leitfadens ist die Verankerung im Nationalen Referenzrahmen für Digitale Kompetenzen (DigComp 2.3 AT). Vorteile sind eine klare Definition der Lernziele, Transparenz gegenüber Teilnehmenden sowie Nachvollziehbarkeit gegenüber Fördergebern.
Insgesamt liegt der Fokus auf dem Alltagsnutzen digitaler Kompetenzen. Nicht die Frage „Was ist technisch möglich?“ steht im Vordergrund, sondern was Menschen in ihrem täglichen Leben brauchen, wo sie konkrete Hürden erleben und welche digitalen Anwendungen ihren Alltag tatsächlich erleichtern.
Didaktik: weniger erklären, mehr ermöglichen
Digitale Kompetenz entsteht nicht durch Zuhören, sondern durch Tun. Entsprechend stark betont werden praktische Übungen, ausreichend Zeit für individuelles Ausprobieren, Raum für Fragen und der gezielte Transfer in den Alltag als Qualitätskriterien.
Ein Leitfaden für die Praxis
Abschließend widmet sich der Leitfaden der Qualitätssicherung. Evaluation, Feedback und transparente Rahmenbedingungen werden als Lerngelegenheiten für Organisationen verstanden. Denn Qualitätssicherung soll unterstützen, nicht lähmen. Der Leitfaden bietet hier praxistaugliche Kriterien, die sich auch in bestehende Qualitätssysteme integrieren lassen.
Die Publikation steht zum kostenlosen Download zur Verfügung und richtet sich an Bildungsanbieter*innen, Trainer*innen und Programmverantwortliche, die digitale Bildungsangebote wirkungsvoll und teilnehmendengerecht gestalten wollen.
Wo digitale Bildung oft unter Effizienzdruck steht, erinnert der Leitfaden an etwas Wesentliches: Digitale Kompetenzen sind kein Selbstzweck – sie sollen Menschen befähigen, ihren Alltag selbstbestimmt zu gestalten.
