Das Wiener Manifest zum Digitalen Humanismus

Digitaler Humanismus

Tim Berners-Lee entwickelte HTML, HTTP, die erste Website (info.cern.ch) und ist der Erfinder des World Wide Web. Seine Vision war eine offene Plattform, die es allen ermöglicht, Informationen auszutauschen und über Grenzen hinweg zusammenzuarbeiten. 2017 bezeichnete er sich in einem Interview als immer noch optimistisch, warnte aber: „Wir dürfen es nicht als selbstverständlich ansehen, dass uns das Netz zu wunderbaren Dingen führen wird“.

Das System versagt

Mit dem bekannt gewordenen Ausspruch „the system is failing“ meinte Berners-Lee, dass Clickbaits, Fake News und zunehmende Polarisierung nicht mehr das Ziel erfüllen, Wahrheit und Demokratie zu fördern. Es hat aber auch keinen Sinn, sich an die Manipulation zu gewöhnen und zu meinen, so funktioniert das Internet eben. „Wir müssen darüber nachdenken, wie es sein soll“, fordert er.

Darüber nachdenken, wie es sein soll

Um diese menschengerechte Gestaltung zukünftiger Systeme, und den Einfluss, den wir selbst darauf haben, geht es im Wiener Manifest zum Digitalen Humanismus. 2019 unterzeichneten Personen aus Forschung, Computerwissenschaften, Psychologie, Philosophie und Soziologie diese Positionserklärung. Sie treten für eine digitale Technologie und Technik ein, welche die Werte und Bedürfnisse der Menschen in den Mittelpunkt stellt.

Menschenzentrierte Innovationen fördern

Es geht darum, die Potentiale herauszustreichen, sagt Hannes Werther, Professor an der TU Wien und Co-Initiator des Wiener Manifests, der „Wiener Zeitung“. Denn wie alle Technologien entstehen auch die digitalen nicht aus dem Nichts. „Sie sind durch implizite und explizite Entscheidungen geprägt und beinhalten Werte, Normen, wirtschaftliche Interessen und Annahmen darüber, wie die Welt ist oder sein sollte“, wurde in dem Schriftstück festgehalten.

Technik ist für den Menschen da und nicht umgekehrt. Die Digital Humanism-Initiative ist eine aktive internationale Community mit Newsletter, Veranstaltungen und einem umfangreichen YouTube Kanal.

Die Kernforderungen des Manifests:

  • Digitale Technologien sollen so gestaltet sein, dass sie Demokratie und Inklusion fördern.
  • Privatsphäre und Redefreiheit sind Grundwerte, die im Mittelpunkt unserer Aktivitäten stehen sollen.
  • Es müssen wirksame Vorschriften, Gesetze und Regeln festgelegt werden, die auf einem breiten Diskurs beruhen.
  • Die Regulierungsbehörden müssen gegenüber Technologiemonopolen intervenieren.
  • Entscheidungen, deren Folgen die individuellen oder kollektiven Menschenrechte betreffen können, müssen weiterhin vom Menschen getroffen werden.
  • Wissenschaftliche Ansätze über verschiedene Disziplinen hinweg sind Voraussetzung, um die Herausforderungen zu meistern.
  • Universitäten sind der Ort, an dem neues Wissen erzeugt und kritisches Denken geschärft wird.
  • Akademische und industrielle Forscher*innen müssen sich in einem offenen Dialog mit der Gesellschaft auseinandersetzen und ihre Ansätze reflektieren.
  • Praktiker*innen auf der ganzen Welt sollen sich der gemeinsamen Verantwortung für die Auswirkungen der Informationstechnologien stellen.
  • Es bedarf einer Vision für neue Bildungsinhalte, die Wissen aus den Geistes-, Sozial- und Ingenieurwissenschaften kombinieren.
  • Die Ausbildung in der Informatik und die Bildungsarbeit über ihre gesellschaftlichen Auswirkungen muss so früh wie möglich beginnen.

Was sind deine Gedanken zum Digitalen Humanismus? Kommt das Manifest rechtzeitig?

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