Wie werden wir in Zukunft lernen?

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Beim Schmökern auf unterschiedlichen Websites sind wir unter anderem auf den folgenden Artikel auf https://bv-online-bildung.de/wie-werden-wir-in-zukunft-lernen/ aus 2019 gestoßen, der sich damals der Frage gewidmet hat, wie Lernen in Zukunft aussehen wird und welche Rolle dabei digitale Ansätze spielen werden. Dort schreibt die Autorin Anna Amft:

„Als wissenschaftliche Mitarbeiterin beschäftige ich mich täglich mit einschlägiger Literatur zu dem Thema E-Learning und recherchiere, um herauszufinden, auf welche neuen Trends wir hoffen dürfen und welche zukunftsfähig sind. Hierbei begegnet man leicht vielen neuen Buzzwords, wobei ich mir oft die Frage stelle, ist das wirklich ein neuer Trend oder nur alter Wein in neuen Schläuchen? Oftmals werden altbekannte Methoden und Techniken lediglich unter neuen Bezeichnungen vermarktet. Sich durch diesen Dschungel durchzukämpfen und den Überblick darüber zu behalten ist eine kaum überwindbare Herausforderung. Daher habe ich mir die Frage genauer angeschaut, welche echten neuen Trends in 2019 auf uns zukommen werden und was hierbei zu beachten ist.
Die Digitale Transformation ist – noch immer – eines der Themen, die die Wirtschaft bewegt. Doch was ist eigentlich unter Digitalisierung zu verstehen? Unter der Digitalisierung wird u.a. die Transformation von Produkten, Dienstleistungen und sogar Prozessen in Unternehmen von der analogen in die digitale Welt verstanden. Aufgrund der Transformation ist die Digitalisierung zudem ein Enabler für den stattfindenden Wandel und neue Technologien, die daraus entstehen.

Artificial Intelligence: Das Lernen lernen
Artificial Intelligence (AI), im Deutschen Künstliche Intelligenz (KI), ist eines der Themen, die aus der Digitalisierung entstanden ist. Doch was ist AI? Unter diesem Begriff werden lernende Systeme verstanden, die zur Automatisierung komplexer Prozesse beitragen. Auf Basis von Algorithmen werden problemlösungsorientierte Entscheidungen getroffen, nach denen agiert wird. Doch was hat das Ganze mit E-Learning zu tun? Schauen wir uns einmal Learning Management Systeme an, die bereits in vielen Unternehmen eingesetzt werden. Diese Systeme sind in der Lage über Standards wie SCORM diverse Lerndatendaten (bspw. Lernzeit) zu erfassen. Auf Basis dieser erfassten Daten ist die KI im Stande Lerndefizite und Stärken entlang des Lernprozesses zu ermitteln und anhand dessen Vorschläge zu offerieren, welches Thema als nächstes zu lernen ist. Der Vorteil hierbei ist, dass der eigene Lernprozess somit effizienter gestalten werden kann. Neben diesen Effizienzsteigerung sollte jedoch nicht missachtet werden, dass die eigene Entscheidungsfähigkeit durch den Algorithmus abgenommen wird. Man verlässt sich somit blind auf den Algorithmus und geht davon aus, dass dieser schon richtig entscheiden wird. Ferner ist das Treffen von Entscheidungen ein wesentlicher Bestandteil einer guten Lernkultur. Wir alle machen Fehler und wir lernen von diesen. Dies hat oftmals einen viel größeren Lerneffekt. Ohne das Machen von Fehlern bewirken wir i.d.R. keine Veränderung, und ohne Veränderung werden wir uns nicht weiterentwickeln.

Learning Journey
Unter der Betrachtung unserer Learning Journey, welche den Lernprozess in drei Phasen (Lernplanung/-vorbereitung, den aktiven Lernprozess und die Nachbereitung) unterteilt, ist die KI in der Phase nach dem aktiven Lernen einzuordnen. Entscheidungen werden anhand der Daten, die in dem Lernprozess ermittelt wurden, abgeleitet und führen dazu, dass der Lernprozess auf Basis der Entscheidung zur Bearbeitung eines neuen Themenfeldes von Neuem beginnt. Schauen wir uns nun den eigentlichen Lernprozess an. Was können wir in Zukunft erwarten? Welche Lernkonzepte werden das Lernen revolutionieren?

Lernkonzepte der Zukunft
Die Umstellung auf rein digitale Lernprozesse ist auch in Zukunft nicht zu erwarten. Konzepte wie Blended Learning und Flipped Classroom werden uns auch weiterhin begleiteten und in diversen Ausprägungen begegnen. Im Rahmen meiner Promotion habe ich u.a. Gespräche mit diversen Instituten geführt und diese gefragt, inwiefern E-Learning in der Lehre zum Einsatz kommt bzw. welche Erfahrung damit gemacht wurde und welche Lernmethode am effektivsten erachtet wird. Insbesondere bei einem Institut, welches insbesondere zu Lernmethoden forscht, war die Überraschung groß. Hierbei stellte sich heraus, dass E-Learning kaum Anwendung findet. Vielmehr steht die Methode des „Sparing Partners“ (der aktive Austausch der Studenten untereinander) im Vordergrund. Die soziale Interaktion mit den Dozenten / Seminarleitern und unter den Teilnehmern ist ein relevanter Aspekt im Rahmen der Learning Journey. Daher sind rein digitale Lernprozesse noch nicht abzusehen.

Technologie-Trends: Virtual Reality & Augmented Reality
Technologie Trends, wie Augmented Reality & Virtual Reality, werden uns ebenfalls in Zukunft im aktiven Lernprozess begleiten? Virtuell Reality (VR) & Augmented Reality (AR) bieten viele spannende Anwendungsfelder. Insbesondere im Erlernen von Soft Skills. Mittels Immersion, ist es bspw. möglich Präsentationstechniken vor einem großen Publikum zu trainieren. Allerdings ergab sich bei einer aktuellen Befragung von Experten, dass VR & AR nach deren Einschätzung eher im hinteren Feld liegt. Dadurch, dass es u.a. in der Entwicklung von Lernszenarien noch relativ teuer ist und es einer gewissen Ausstattung etc. bedarf, sind dies, neben weiteren Faktoren, Hindernisse, die es zu überwinden gilt.

Häppchenweise lernen
Die Aufnahmefähigkeit von neuen Inhalten liegt durchschnittlich bei rund 10-15 Minuten. Lernmodule die früher zwei bis drei Stunden oder sogar noch mehr Zeit in Anspruch genommen haben, sind daher kaum mehr vorstellbar. MicroLearning oder sogenannte Learning Nuggets sind nun demnach gefragt, in denen Lerninhalte in kurzen Lerneinheiten „häppchenweise“ vermittelt werden. Zu einer erfolgreichen Learning Journey gehört auch, dass Lerninhalte sukzessiv wiederholt werden. Als Herausforderung stellt sich hierbei jedoch der operative Alltag, in dem die Zeit knapp bemessen ist. Kleine Lernhäppchen in diversen Formaten eignen sich daher optimal diese in den Alltag zu integren und die Repetition zu ermöglichen.

Selfmade: No Selfie is perfect, but personal and authentic
Selfies auf Instagram, Facebook oder Twitter sowie live Aufnahmen, die direkt auf den Social-Media-Kanälen geteilt werden sind kaum mehr wegzudenken. Videos und Fotos müssen nicht mehr perfekt sein. Mal eben bei Youtube schauen, ob es ein 5 mintütiges Video gibt, in dem mir gezeigt wird, wie ich schnell und einfach einen Ölwechsel vornehmen kann. Ad hoc Aufnahmen aus dem realen Leben sind schnell, einfach und effektiv. Warum dies nicht auch im Unternehmen? Nähe zu dem Lernenden aufbauen und persönlich ansprechen.

Technologie-Trends: 3D- Printing
Das Thema 3D-Printing findet bisher nur in speziellen Bereichen wie der Medizin Anwendung. So ist es beispielsweise möglich, Organe und andere Körperteile auszudrucken, um eine echte und anwendungsorientierte Unterrichtsgestaltung zu ermöglichen. Der Transfer in die reale Welt ermöglicht es, die Körperregionen exakt und ohne Tierversuche zu erkunden. Darüber hinaus können Scans in einen 3D-Druck umgewandelt werden, sodass z.B. chirurgische Methoden und Techniken detailliert untersucht und im Unterricht diskutiert werden können. Zudem kreative Lösungen zu finden, insbesondere das Umdenken in neuen Produktionsmöglichkeiten (in Bezug auf die Additivproduktion), ist ein Vorteil, der durch den Einsatz von 3D in der Ausbildung erreicht werden kann. Das Konzept der 3D-Objekte beinhaltet auch die Herausforderung, mathematische Berechnungen zu integrieren und zu verstehen. Mess- oder Rechenfehler können zu entsprechenden Konsequenzen bei der Konstruktion und Fertigung führen. Die Mathematik wird daher in diesem Zusammenhang angemessen eingesetzt und zeigt, dass der Transfer von der Theorie in die Praxis am Beispiel des 3D-Drucks hervorragend funktioniert.

HR | Quality | Competences
Neue Technologien und Trends bringen neue Herausforderungen mit sich. Dies bedeutet, dass entsprechende Kompetenzen benötigt werden. HRler müssen unbedingt ein Verständnis von digitalen Lernprozessen aufbauen, um exzellente Lernbedingungen für Ihre Mitarbeiter zu schaffen und ein Verständnis von qualitativ hochwertigen E-Learnings zu entwickeln. Denn nur so kann der Lernprozess im Unternehmen erfolgreich gestaltet werden.

Diese und noch weitere Trends werden in Zukunft auf uns zukommen und unser Lernen von morgen beeinflussen. Es ist jedoch bitte nicht zu missachten, dass es an jedem selbst liegt wie er/sie das Lernen von morgen effektiver und effizienter gestalten möchte. Es sollten stets das Lernziel und die Motivation im Fokus stehen. Anhand dieser und unter Berücksichtigung weiterer Faktoren sollten daher Methoden, Konzepte und Techniken ausgewählt werden, wodurch die bestmögliche Learning Journey und somit der größtmöglich Lernerfolg erreicht werden kann. Nicht der Trend selbst steht im Fokus, sondern die Learning Journey als Ganzes.“

Zwei – nicht nur für die Erwachsenenbildung – sehr turbulente Jahre sind seit der Veröffentlichung dieser Zukunftsperspektive vergangen. Was hat sich im Bereich des Lernens in dieser Zeit verändert? Sind die hier vorgestellten Trends bereits Realität? Oder hat die Corona Zeit Lernen in eine andere Richtung verändert?

Das möchten wir gerne mit DIR hier in den Kommentaren diskutieren und freuen uns auf deine Einschätzung!

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