
Erwachsenenbildner:innen nutzen KI, um Texte zu verbessern, Konzepte zu strukturieren, Ideen zu sammeln. Die Ergebnisse sind oft solide, aber selten überraschend. Genau dieses Phänomen beschreibt Jeremy Caplan im Substack-Newsletter Wonder Tools: KI liefert das Maß an Originalität, das wir von ihr einfordern. Wer konventionell fragt, bekommt konventionelle Antworten. Wie gelingt es, KI-Sprachmodelle gezielt aus dem Erwartbaren herauszuführen?
Mutiger prompten!
Sprachmodelle sind darauf trainiert, wahrscheinliche Antworten zu erzeugen. So entstehen konsensfähige Texte und austauschbare Konzepte. Caplan schlägt deshalb vor, bewusst mit ungewöhnlichen Prompts zu arbeiten. Hier einige Beispiele, umgelegt auf die Erwachsenenbildung:
1. Irritierende Vorgaben: Klarheit durch scheinbaren Widerspruch
„Erkläre mein Konzept so, dass ein 10-Jähriger es sofort versteht, aber zugleich so, dass eine Expertin interessiert zuhört.“
Die Aufgabe ist, gleichzeitig zu vereinfachen und zu differenzieren. So werden unklare Begriffe, Fachjargon und gedankliche Sprünge sichtbar.
2. Kluge Mentor:innen
„Stell dir vor, eine außergewöhnlich kluge Expertin für … liest das Konzept und stellt drei Fragen, die sonst niemandem eingefallen sind.“
Statt Verbesserungsvorschläge zu liefern, erzeugt der Sparringpartner KI kritische Rückfragen. Diese können z.B. implizite Annahmen aufzeigen.
3. Fachfremde Perspektiven
„Wenn dieses Bildungsprojekt ein komplexes Ökosystem wäre: Welche Arten würden dominieren, woran würde das System scheitern?“
Die Übertragung in ein anderes Denksystem macht Rollen, Abhängigkeiten und Ungleichgewichte sichtbar.
4. Zeitdruck: Prioritäten sichtbar machen
„Es bleiben noch 48 Stunden, bis dieses Projekt scheitert. Welche Regeln würden wir plötzlich ignorieren? Welche Ressourcen würden wir nutzen, die wir sonst nie in Betracht ziehen?“
Der künstliche Krisenmodus kann zu pragmatischen, lösungsorientierten Antworten und neuen Perspektiven führen.
5. Absurde Analogie: Komplexität über Bilder verstehen
„Beschreibe dieses Projekt wie die Anleitung für ein Brettspiel.“
Ungewöhnliche Analogien machen versteckte Regeln sichtbar.
Was sich durch solche Prompts verändert:
- KI wird vom Schreibwerkzeug zum Ideenraum.
- Routinen werden sichtbar.
- Alternativen öffnen den Blick.
Caplan beschreibt genau diesen Nutzen: ungewöhnliche Prompts dienen als „creative sparks“ – als kreative Funken. Für Konzeptentwicklung, Strategie und Kommunikation ist das besonders anschlussfähig.
Hinweis: Der Beitrag greift Anregungen aus einem Artikel von Jeremy Caplan im Newsletter Wonder Tools auf und überträgt die dort beschriebenen Ideen zur kreativen Arbeit mit KI auf den Kontext der Erwachsenenbildung.
