Was Lernplattformen können – ein Erfahrungsbericht

Gastbeitrag von Piotr Kubasiak (Theologische Kurse)

Theologische Kurse

Die neue Lernplattform des Forums Katholischer Erwachsenenbildung als Chance

Auf jede Coronawelle folgte für viele Institutionen – auch die der Erwachsenenbildung – eine Digitalisierungswelle. Genauso fremd wie mRNA-Impfstoff, Antigen-Test oder FFP2-Maske wirkten noch vor kurzem Begriffe wie Zoom, Microsoft-Teams oder asynchroner Kurs. Die Digitalisierungswelle erweist sich aber – so die erste vorsichtige Bilanz – im Gegensatz zu den anderen Wellen eher als zusätzliche Bewässerung denn als zerstörerische Überflutung. Eine der größten Neuerungen für die THEOLOGISCHEN KURSE, die gänzlich neue Perspektiven eröffnet hat, ist die vom Forum Katholischer Erwachsenenbildung in Österreich (Forum KEB) zur Verfügung gestellte Lernplattform.

Was kann die neue Lernplattform?

Die Lernplattform ist ein neues Produkt, das von der Agentur Zeitpunkt entwickelt wurde und stetig weiterentwickelt wird. Ein großer Vorteil ist, dass sie ein österreichisches Produkt mit einem Server in Wien ist – etwas, das jede/n Datenschutzbeauftrage/n positiv stimmen muss. Die Lernplattform ist auch anders als ihre Konkurrenten: Sie funktioniert nicht nur nach einem vordefinierten Baukastensystem, sondern verhält sich auch wie eine Webseite oder wie ein Blog. Das bedeutet, dass – verglichen mit herkömmlichen Lernplattformen – die/der Administrator*in sehr viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten hat.

Texte können beliebig formatiert werden, Bilder, Videos, Youtube-Videos oder Audiodateien an beliebigen Orten eingefügt werden. Im Text kann man natürlich auf externe Seiten verlinken oder Dateien zum Download zur Verfügung stellen. Die Teilnehmenden können Kommentare zu den einzelnen Unterseiten schreiben oder nur für sie selbst sichtbare Notizen einfügen, die sie dann auch gesammelt an einem Ort wiederfinden. Die Lernplattform ist aber noch mehr als eine geschlossene ‚Webseite‘: Es können weitere ergänzende Module mit Fragen, Übungen und Prüfungen angelegt werden. Im Diskussionsbereich haben die Teilnehmer*innen die Möglichkeit miteinander und mit den Lehrenden in Austausch zu treten. Nicht zuletzt überzeugt die Lernplattform durch ihr schlichtes und modernes Design sowie ihre Benutzerfreundlichkeit.

Mit ihren vielen Funktionen kann die Lernplattform also unterschiedliche Aufgaben erfüllen: (1) Sie dient als Speicherplatz für alle möglichen zusätzlichen Dateien oder Informationen; (2) Sie eignet sich zur Ergänzung der Präsenz- oder Online-Kurse. (3) Sie ist ein guter Ort für Online-Kurse, die asynchron stattfinden, deren Inhalte also zu jedem beliebigen Zeitpunkt abgerufen und bearbeitet werden können.

Was hat sich für uns geändert?

Die Coronakrise hat für jede Institution nicht nur die Notwendigkeit der weiteren Digitalisierung gebracht, durch die Digitalisierung haben sich auch neue Chancen eröffnet. Nach 80 Jahren Präsenzkurs in Wien und 70 Jahren Fernkurs haben sich die THEOLOGISCHEN KURSE dazu entschlossen, zum ersten Mal den zweijährigen Theologischen Kurs auch Online anzubieten. Dieser Kurs findet per Zoom statt und alle Skripten, zusätzliche Materialien und Informationen werden auf der Lernplattform an einem Ort gesammelt zur Verfügung gestellt. Auch aktuelle Informationen oder Prüfungsanmeldemöglichkeiten sorgen für Übersichtlichkeit und ersparen eine Menge an zusätzlicher Kommunikation.

Auch die Teilnehmer*innen des klassischen Theologischen Fernkurses haben – dies ein weiteres Angebot auf der Lernplattform – durch weiterführende Übungen Gelegenheit, ihre Kenntnisse zu vertiefen, zu überprüfen und ihr theologisches Wissen zu erproben.

Darüber hinaus – und das ist ein absolutes Novum – entwickeln die THEOLOGISCHEN KURSE eine Reihe von asynchronen Kursen, die zu einem beliebigen Zeitpunkt bearbeitet werden können. Es handelt sich um Online-Lektionen mit Lernvideos, die auf der Lernplattform bereitgestellt werden. Für diese Kurse stehen ebenfalls Begleitskripten im PDF-Format zur Verfügung. Nach größeren Lerneinheiten werden Online-Meetings per Zoom angeboten, bei denen die Fragen der Teilnehmenden im Mittelpunkt stehen.

Konkret handelt es sich um einen dreiteiligen Hebräisch-Kurs, der vom ersten Buchstaben des hebräischen Aleph-Beth bis zum eigenständigen Lesen der Bibel führt, und die „Theologischen Module. Glauben mit Herz und Hirn“ – eine Reihe von acht Modulen, die in die Basics theologischen Wissens einführen. Die Inhalte (Lernvideos, Texte, Übungen, Bilder) werden von den Teilnehmenden selbstständig erarbeitet. Im Anschluss findet alle vier Wochen ein Live-Zoomtreffen statt. In Vorbereitung ist außerdem ein Kurs „Basisinfo Christentum“, der sich an Nicht- und Andersglaubende richtet und darüber informiert, was Christen glauben.

Die Lernplattform hat also für die Institution nicht nur neue Kursformate möglich gemacht, sondern ganz neue Zielgruppen erschlossen. Bei einem der Kurse treffen einander beispielsweise Teilnehmer*innen aus Vorarlberg, Wien, Berlin, London und Boston. Dadurch können die THEOLOGISCHEN KURSE auch ihren Auftrag besser erfüllen, die theologische Bildung für alle zugänglich zu machen – unabhängig von Wohnort und von der familiären oder beruflichen Situation.

Ist die Lernplattform ein Zukunftsprojekt?

Die Rückmeldungen der Teilnehmenden und der Zuspruch, den diese Kurse erfahren, zeigen, dass die Arbeit mit der Lernplattform für die THEOLOGISCHEN KURSE ein fester Bestandteil ihres Angebots bleiben wird. Sie ist möglicherweise auch eine zeitgemäße Form der Erwachsenenbildung, die der modernen Lebenswelt und dem individuellen Zeitmanagement heutiger Menschen besser entspricht. Die asynchronen Formate ermöglichen die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Weiterbildung.

Die digitale Welt kann freilich die persönliche Begegnung nicht ersetzen: Das will sie auch gar nicht. Sie kann aber eine neue Dimension der Erwachsenenbildung öffnen, die das bisherige Angebot sinnvoll ergänzt und auf eine neue Ebene bringt.

Piotr Kubasiak (ist bei den Theologischen Kursen verantwortlich für digitale Studienangebote und Studienleiter für Theologiegeschichte, Sozialethik und Politik)

Infos zu den Online Angeboten der Theologischen Kurse finden sich hier.

Nähere Informationen zur Lernplattform des Forum KEB gerne unter: digitalebildung@forumkeb.at

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